Together for Inclusion MADRID
Am 10. Juli 2026 hat PoliTisch-leicht zusammen BVDS e.V. (Bundesverband Down Syndrom Deutschland), KIDS Hamburg und mit Teams von Selbstvertreter*innen aus weiteren neun EU-Ländern den spanischen Kongress besucht. Aber nicht nur das! Der Besuch war der Abschluss einer 5-tägigen Workshop-Reihe an der Universität Juan Carlos. Alle Teams waren Teilnehmende und Workshopleitende zugleich. Der Höhepunkt war die Vergabe der Zertifikate im Spanischen Kongress durch zwei Abgeordnete. Was haben wir alles gelernt und erlebt und wer war für Deutschland mit dabei? Hier kommt unser Bericht mit Bildern.



Eine ganze Woche vom 6. bis zum 10.Juli 2026 auf dem Campus der Universität Juan Carlos in Madrid mit einer Gruppe von 60 Menschen aus 10 EU-Ländern. Das sei nichts besonderes, würden viele sagen. Unis sind international aufgestellt. Viele Studierenden kommen aus anderen Ländern. Jedoch, Menschen mit Lernschwierigkeiten, die mit dem Down Syndrom leben, sind an Universitäten nicht zu sehen. Weil Unis Orte sind, die Menschen mit sogenannten "geistigen Behinderungen" in der Regeln nicht mitdenken. Mit dem Erasmus+ Projekt "Together for Inclusion" wollen wir den Unterschied machen. Und so verwandelten wir den Campus der Madrider Uni eine Woche lang in einen inklusiven Lernort.
30 junge Selbstvertreter*innen hielten in den Seminar-Räumen der Universität Juan Carlos selber Workshops, lernten von anderen Selbstvertreter*innen, wie sie in ihren Ländern arbeiten, lernen, sich engagieren, politische Arbeit machen, sich um ihre Gesundheit kümmern, in ihrem Leben mit anderen kommunizieren und schließlich in alle diesen Bereichen um ihre Rechte kämpfen und für sich einstehen.






Wir haben viel erfahren und unsere Erfahrung weitergegeben! Arthur Hackenthal hat im Herbst 2024 als Selbstvertreter den PoliTisch leicht in Berlin zusammen mit Stana Schenck mitgegründet und organisiert und moderiert die regelmäßigen Treffen seitdem mit. Fiona Lambart ist Selbstvertreterin und Vorstandsmitglied von dem Bundesverband Down-Syndrom Deutschland. Nun ist sie gerade dabei mit Unterstützung ihrer Schwester Katrina in Darmstadt einen politischen Stammtisch zu gründen. Lukas Maurer macht in Darmstadt mit seinem Bruder Jannes mit. Auch Timo Hampel von KIDS Hamburg war in Madrid dabei. Er will auch eine Gruppe gründen.
Wie soll das gehen? Das erzählten Arthur und Fiona den Teams aus Italien, Rumänien, Spanien, Polen, Frankreich, Ungarn, Tschechien und Malta.
Gründet euren eigenen politischen Stammtisch in euren Ländern! Das war ihr Aufruf. Sie haben den Selbstvertreter*innen einen 10-Punkte-Plan vorgestellt. Eine Anleitung zum Selbermachen in allen 10 Sprachen. Und dann allen Teams drei Aufgaben gegeben:
Gebe deinem politischen Stammtisch einen Namen
Schreibe eine Forderung an die Politik auf
An wen überreichts du deine Forderung? Nenne den Namen der Politiker*in.
Alle Team waren sehr motiviert und wir sind gespannt, was uns die Selbstvertreter*innen in der nahen Zukunft berichten werden.



Jeden Workshoptag starteten wir mit den starken Botschaften der Charta der Selbstvertreter*innen.
Die Selbstvertreter*innen erstellten "Living Pictures", also lebende Bilder zu den Aussagen der Charta. Einige könnt ihr hier oben und unten sehen.
Aussagen der Charta:
Ich bin ein*e Selbstvertreter*in.
Ich habe Menschenwürde. Sie kann mir nicht genommen werden.
Ich kann für mich und andere sprechen.
Ich werde für unsere Rechte einstehen.





Was wir von den anderen Teams gelernt haben?
Das rumänische Team "Fantastici" besprach das Thema Arbeit. Und was Arbeit für Teilhabe bedeutet.
Das Team von der Down Syndrom Association Malta erzählte: es gibt keine Sonderschulen in Malta. Alle Kinder besuchen Regelschulen. Viele Selbstvertreter*innen suchen später Arbeit in Büros als Hilfskräfte.
TeamDown aus Italien zeigte uns ein cooles Video und machte mit uns tolle Übungen. Wir haben schnell verstanden: Über mich selbst zu sprechen ist gut. Über meine Gemeinschaft ist kraftvoll!
Die ungarischen Selbstvertreter*innen von Csodavar Foundation fragten: was bedeutet für dich selbstbestimmt zu wohnen? Was gehört dazu?
Und das tchechische Team von RYTMUS machte Mut, sich für andere Menschen einzusetzen. Zum Beispiel für Umwelt. Oder für Obdachlose.
Das spanische Team von dem Lehrstuhl für Recht-Wissenschaft erklärte nochmal ganz genau, was Menschenwürde bedeutet.
Das Institut Jereme Leajuene aus Paris und Madrid bereitete eine Einheit über Gesundheit und Down Syndrom vor.


Zum Abschluss besuchten wir am 10. Juli 2026 das spanische Kongress. Wir wurden empfangen von zwei Abgeordneten. Es gab einen tollen Austausch, viele Selbstvertreter*innen haben Fragen direkt an die spanische Politiker*innen gerichtet. Die Zertifikate hielten zum Schluss alle sehr stolz in den Händen.
Das deutsche Team (Bild in der Mitte): Arthur Hackenthal (links vorne), Mitgründer von PoliTisch-leicht, Fiona Lambart, Selbstvertreterin und Vorstandsmitglied von BVDS e.V./ Daniela Kaup, Beauftragte für Menschen mit Behinderung in Berlin-Lichtenberg/ Lukas Maurer, Selbstvertreter aus Darmstadt/ Timo Hampel, Selbstvertreter von KIDS Hamburg/ Stana Schenck, Gründerin inclution gUG/ und die Begleiter*innen Cornelia Hampel und Jannes Maurer, die Co-Trainerin Katrina Lambart und Heiner Feury als Assistenz (hinten von rechts nach links).




Bericht: Stana Schenck
Fotos: EUfortrisomy21 (1.Bild oben)/ Daniela Kaup (Bild 5,8,9), Jannes Maurer (Bild 7), Stana Schenck (alle anderen Bilder)




